Meine Bewerbungsrede

Bild: Sabrinity

Es gilt das gesprochene Wort

 

Liebe Genossinnen und Genossen, meine sehr verehrten Damen und Herrn

die Welt verändert sich in immer kürzeren Zeitabschnitten.  Die Halbwertzeit des Wissens beträgt  zur Zeit im Schulwissen noch gut 20 Jahre, im Hochtechnologie- und IT-Bereich jedoch mittlerweile nicht einmal mehr ein Jahr. Das verlangt von uns eine hohe und schnelle Veränderungsbereitschaft.

Konnten wir früher vielfach unser Wissen lokal oder national schützen, so ist dies seit der Einführung des weltweit vernetzten Internets kaum noch möglich. Früher bedurfte  Wissen des Zugangs zu guten Bibliotheken, heute nur noch eines Anschlusses ans Internet.

 

Als ich im November 1989 noch mit so vielen anderen auf der Mauer am Brandenburger Tor stand und unter der Aufsicht der DDR-Grenztruppen mit einem mulmigen Gefühl im Bauch in den Osten sprang, war ich mir sicher, das war der Beginn des ersehnten Weltfriedens.

Die Berliner Mauer war nicht nur die Grenze zwischen den Teilen Berlins, es war die Grenze zwischen verfeindeten wirtschaftlichen, politischen und militärischen Blöcken.

Heute – 30 Jahre später – muss ich feststellen:

Die Welt ist anders, aber leider nicht friedlicher geworden.

 

Noch immer gibt es Länder, die von Despoten oder anderen zweifelhaften Führern regiert werden, die mal demokratisch, mal korrupt an die Macht gelangt sind. Wie die meisten – die das Gefühl

von Macht verspüren – wollen sie davon nicht mehr lassen, egal wie alt sie werden.

Ich habe damals – aus Eversberg kommend – in Berlin erst Nachrichtentechnik und später noch Allgemeine Elektrotechnik studiert. Damals wusste ich nicht, dass genau diese beiden Bereiche heute

im Rahmen der Digitalisierung und Energiewende zu  derart wichtigen Themen aufsteigen würden.

 

Wie sind hier im Hochsauerlandkreis in der Mitte Südwestfalens stolz darauf, die stärkste Wirtschaftsregion in NRW und die drittstärkste in Deutschland zu sein.

Um auch weiterhin so stark zu sein ist viel mehr erforderlich als das, was wir bisher tun.

Die Digitalisierung bietet so viele Chancen. Wir müssen sie nur endlich erkennen und nutzen.

Noch immer ist in Deutschland der Bildungsabschluss der Eltern mehr als irgendwo anders auf der Welt für den Schulabschluss der Kinder maßgeblich.

Mein Vater war Holzfäller und meine Mutter Hausfrau. Mir braucht niemand zu erklären,

wie schwer der Weg ist. Als mittlerer von 5 Geschwistern und Vater von 5 Kindern

hat mich das Leben soziales Verhalten gelehrt, da muss ich an keiner Schulung teilnehmen.

Fangen wir bei unseren Kindergärten und Kitas an. Noch immer haben wir in den meisten Kommunen die Öffnungszeiten der Kitas nicht  flexibilisiert, damit auch Alleinerziehende Jobs annehmen können die – wie z.B. im Krankenhaus, in der Pflege oder im Schichtdienst – schon morgens um 6 Uhr beginnen. Und das wo gerade im Bereich der Pflege ein enormer Fachkräftemangel vorhanden ist.

Viele junge alleinerziehende Frauen, die nunmehr in den ersten 3 Jahren nachdem sie Mutter geworden sind nicht zwangsläufig in Arbeit vermittelt werden müssen, geraten so in die Abhängigkeit von Sozialhilfe. Später können sie sich daraus nur schwer befreien. Wir müssen für diese Frauen  Angebote schaffen, damit diese die Zeit für eine qualifizierte Ausbildung nutzen können. Und wir müssen gleichzeitig sicherstellen, dass Ihre Kinder in Kindertagesstätten in ihrer Wohnungsnähe die notwendige Betreuung erhalten.

Dafür werde ich mich einsetzen.

Natürlich braucht man dafür auch mehr Erzieher. Dies wird aber durch die so frei werdende Kapazitäten möglicher neuer Arbeitskräfte und die geringeren Sozialaufwendungen mehr als nur kompensiert.

In der Grundschule müssen wir für kleinere Klassen und ausreichend qualifiziertes Lehrpersonal sorgen. Auch in Grundschulen kann schon Schulsozialarbeit sinnvoll sein um die Lehrer zu entlasten. Ich weiß, dass dies nicht Aufgabe des Kreises sondern der  zuständigen Kommunen ist. Trotzdem kann der Kreis sich dafür einsetzen, das bei den angeschlossenen Städten und Gemeinden ein Umdenken stattfindet.

Schaut euch doch mal in den Grundschulen um; seht euch die Bausubstanz, die Einrichtung und                die Sanitärbereiche an. Manchmal muss man sich schämen, wie wir  unseren Kindern  das Lernen schmackhaft machen wollen.

Richtig spannend wird’s dann aber erst bei den weiterführenden Schulen.

Wer zum Beispiel die Diskussion über die Toiletten an der Realschule und am Gymnasium                   in Meschede mitbekommen hat, muss sich fragen, ob das in einer doch so zivilisierten und aufgeschlossenen Zeit überhaupt sein kann. Wo müssen die Prioritäten der Kommunalpolitik liegen, wenn nicht bei der Bildung unserer Kinder und deren Rahmenbedingungen.

Zukunft kann man am besten vorhersagen wenn man sie aktiv gestaltet.

Aber kommen wir nun zum wesentlichen: zum Unterricht.

An vielen Schulen fehlen gerade bei den mathematisch naturwissenschaftlichen Fächern die ent-sprechenden Lehrer, was bei dem allgemein beklagten Fachkräftemangel auch kein Wunder ist.

Wer sich richtig gut in Physik, Mathematik oder Chemie auskennt – von Ausnahmen einmal abgesehen – wird kein Lehrer, sondern geht in die Wirtschaft. Dieses Phänomen ist seit vielen Jahren bekannt, aber die Maßnahmen zur Behebung dieses Mangels haben nicht wirklich gegriffen. Beängstigend ist, dass jene Jugendliche, denen diese Fächer nicht mit Leichtigkeit und Begeisterung vermittelt werden, kaum selbst Freude dran haben und so später nicht zum Abbau des Mangels beitragen. So potenziert sich der Mangel selbst.

Hier kommt nun eine wirkliche Chance ,– die uns die Digitalisierung bietet.

Wir können den Unterricht in diesen Fächern zumindest ab dem 6. Schuljahr weitestgehend digitalisieren; Lernsoftware einführen die sowohl in didaktischer als auch in fachlicher Hinsicht eine hohe Qualität hat und somit den Lehrer enorm entlastet. Die Software kann zentral erstellt werden und muss somit nicht mehr von jedem Lehrer individuell gestaltet werden. Das hilft gerade dann, wenn ein Lehrer fachfremden Unterricht erteilen muss.

Derartige Lernsoftware beinhaltet dann ein Basispaket, was für alle verpflichtend ist,   u n d

ein Erweiterungspaket für die guten Schüler, damit diese sich nicht langweilen wenn andere etwas länger brauchen,  und    dann noch ein Sahnehäubchen für die Cracks. Der Fortschritt der Übungen und die Ergebnisse bekommt der Lehrer dann online angezeigt und greift ein, wenn es irgendwo klemmt.

Derartige Software gibt es schon und die Befürchtung, dass damit soziales Verhalten zu kurz kommt ist eher vorgeschoben. Am Satz des Pythagoras oder an der Erläuterung der Lorenzkraft ist nichts Soziales. Sozial und hilfreich hingegen ist es wenn sich Schüler bei der Bearbeitung derartiger Probleme gegenseitig helfen und viele Themen in Lerngruppen bearbeiten. Darüber hinaus kann man so leicht lernen wie man zum Beispiel aktuell Probleme auf Online-Plattformen und -Foren durch die Erfahrung und Mithilfe anderer lösen kann.

Ich selbst nutze derartige Foren und stelle schon mal Probleme bei Github – einer Online-Plattform für Soft- und Hardware-Entwickler – ein. So konnte ich z.B. schon vor einigen Wochen ein Problem mit einem IOT-Baustein nachts innerhalb einer Stunde unter Mithilfe eines Koreaners und eines Nigerianers erfolgreich lösen.

Unser Schulsystem ist über 200 Jahre alt und hat eine Vielzahl von Reformen hinter sich. Ursprünglich wurde es geschaffen, um aus den Menschen die hier lebten ordentliche Staatsbürger   zu machen. Jetzt bedarf es einer Revolution um den Anforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht    zu werden. Mag es vor 200 Jahren gute Gründe gegeben haben Griechisch und Latein zu lernen,

so gibt es heute weitaus bessere Gründe C++, Java, oder HTML zu erlernen.

Wer sich moderne Lehrmethoden in anderen Ländern ansieht wird erkennen, dass wir hier

in Deutschland  noch einiges an Verbesserungspotential haben. Deshalb hilft es nicht, wenn wir veraltete PC´s in speziellen Räumen aufstellen und unsere Kinder dann da mal ab und zu daran arbeiten dürfen. Für mich gehört ein Laptop als integraler Bestandteil des Unterrichts zumindest

ab dem 6. Schuljahr in jede Schultasche.

Bei einem Besuch in unserer Partnerregion West Lothian in Schottland konnten wir uns davon überzeugen, wie weit uns andere  Länder voraus sind. Und das in Schottland, denen wir ja traditionell Sparsamkeit unterstellen. Dass wir bei der Digitalisierung unserer Schulen nicht mehr hinten anstehen, dafür werde ich mich im HSK und in Südwestfalen einsetzen. Um als größte Wirtschaftsregion in NRW bestehen zu können reicht es nicht aus nur mitzumachen. Wir müssen aktiv vorangehen.

Wir müssen  mutig, schnell und pragmatisch neue Wege  gehen.

Denn das elektrische Licht ist nicht durch konsequente Weiterentwicklung der Kerze erfunden worden.

Die LED ist keine Weiterentwicklung der Glühbirne sondern das Ergebnis von Umdenken.

 

Kommen wir zu den Berufskollegs:

Hier setzt sich die SPD-Fraktion im Kreistag seit vielen Jahren für eine Qualitätsoffensive ein.

Unser Motto heißt:    Qualität vor Quantität!

 

Unterricht an Berufskollegs muss heute anders aussehen als vor 40 Jahren. Um den gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden sind enorme Investitionen in aktuelle Technik erforderlich. Darüber hinaus benötigen wir ebenfalls ein hohes Maß an Flexibilität und Weiterbildung der Lehrkräfte.

Auch hier bestehen viele Möglichkeiten, die uns die Digitalisierung bietet, um die Schüler wirklich voran zu bringen. So könnten auch Inhalte vermittelt werden, die über den aktuellen Informations-stand der Lehrkräfte hinausgehen.

Dies ist natürlich bei der Schaffung  von Fachschwerpunkten an jeweils einem Berufskolleg im HSK einfacher zu erreichen. Leider wurde diese Erkenntnis in den vergangenen Jahren immer wieder lokaler Kirchturmpolitik geopfert.

Wir sind ein Hochsauerlandkreis und nicht immer noch 3 Altkreise.

Ja eine Zusammenarbeit im Bereich der Berufskollegs muss sogar über die Kreisgrenzen hinaus gehen und ganz Südwestfalen umfassen. Das möchte ich umsetzen.

 

Im vergangenen Jahr durfte ich beim Besuch des Berufskollegs Meschede in meiner alten Klasse

auf  meinem alten Stuhl an meinem alten Tisch sitzen, der dort schon über 40 Jahre so steht. Bis auf den Beamer an der Decke hatte sich kaum etwas verändert. Ist das nicht erschreckend angesichts

der Veränderungen die in den letzten 40 Jahren stattgefunden haben?

Der HSK wird in den nächsten Jahren über 43 Millionen € in den Neubau des Berufskollegs

„Berliner Platz“ in Arnsberg-Neheim investieren. Aber deswegen dürfen die notwendigen Investitionen und Instandhaltungen an den anderen Berufskollegs nicht aufgeschoben werden.

Auch muss der Unterricht vielfach durch die Möglichkeiten der Digitalisierung effizienter gestaltet werden. Dafür müssen die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen werden.

Bis zu einer wirklichen Integration von Theorie und Praxis – wie es für eine Wirtschaftsregion

wie die unsere erforderlich ist – liegt dann noch immer ein weiter Weg vor uns.

An allen Schulen muss die Administration der Netzwerke und Computer in professionelle Hände gegeben werden. Das ist natürlich um vieles leichter, wenn wir einheitliche Systeme anschaffen.

 

 

Die großen Herausforderungen der nächsten Jahre sind der Schutz von Umwelt und Natur, die Digitalisierung, der demografische Wandel sowie die Veränderung der Mobilität.

Lasst mich mit dem Schutz der Umwelt beginnen:

Der Wald und das Holz sind hier im Sauerland ist nicht  Arbeitgeber für viele,  der Wald er dient auch als CO2 -Senke für unser Klima. Daher müssen wir die durch Sturm und Borkenkäfer frei gewordenen Flächen umgehend wieder mit resistentem Mischwald aufforsten.

Da, wo den Eigentümern das Geld dafür fehlt, muss durch Fördermaßnahmen geholfen werden. Einige Naturschützer wollen heute die Aufforstung der Natur überlassen. Wer das will muss auch sagen, dass sich damit sowohl die Einnahmen aus der Forstwirtschaft als auch die CO2-Speicherung

in unseren Wäldern deutlich reduzieren werden.

Ich werde mich daher für eine rasche Aufforstung einsetzen.

 

Unsere Landwirte gehen in der Mehrzahl verantwortungsbewusst mit der Natur und Umwelt um. Allerdings sind sie einem ruinösen Wettbewerb ausgesetzt. Das liegt zum einen daran, dass hochwertige Lebensmittel in kaum einem anderen Land der Erde so preiswert sind wie bei uns.

Zum anderen kommt z.B. beim Fleisch nicht einmal 25 % des Durchschnittsverkaufspreises

beim Landwirt an. Dafür hat er das Tier dann aber kaufen oder selbst züchten müssen. Er musste

es füttern, ärztlich versorgen, die Gülle entsorgen und am Schlachtbetrieb anliefern. Jede weitere Verschärfung der Aufzuchtbedingungen wird daher als Zumutung betrachtet.

Hier gilt es gerade auch bei uns im Sauerland andere Wege zu suchen um die Existenz unserer Landwirtschaft zu sichern.

Im Ranking der Nitratbelastung steht Deutschland nach Malta im europäischen Vergleich auf Platz 2.

Völlig unverständlich ist dann, dass hier nach Deutschland und auch in den Hochsauerlandkreis noch aus anderen europäischen Ländern Gülle importiert werden darf. Auch daran muss sich was ändern.

 

Das Thema Klima und Erderwärmung ist in den letzten Monaten zusehends in den Focus gerückt.

Auch wir bemerken Veränderungen, die nicht mehr allein mit Wetterschwankungen zu erklären sind.

Die UN Weltklimakonferenz hat gestern in Madrid begonnen, Mindestens noch bis zum 13. Dezember verhandeln 196 Staaten und die EU darüber, wie das Pariser Klimaabkommen verwirklicht und die Erderwärmung eingedämmt werden kann. Die Ziele die man sich für 2020 gesetzt hatte werden von allen auch von Deutschland verfehlt. Bisher steigt der CO2-Ausstoss weiter an.

Im Oktober dieses Jahres hat die Bundesregierung das Klimaschutzpaket auf den Weg gebracht,

das zu einer deutlichen Reduzierung des CO2-Ausstosses in Deutschland um 40 %  im Jahr 2030 gegenüber 1990 führen soll. Die Ziele sind gut und ambitioniert. Die meisten Menschen mit denen ich draußen auf der Straße über das Thema rede glauben nicht daran dass es so klappt. Ob erhöhte Steuern und Abgaben den erwünschten Effekt erzielen bleibt abzuwarten. Selbst bei maximalem Optimismus stellt sich die Frage, ob denn die anderen großen Industrie- und Schwellenländer willens und in der Lage sind unserem guten Beispiel zu folgen.

 

Bereits auf unserem UB Parteitag am 01.09.2018, also lange vor dem Hype ums Klima haben wir hier den Antrag des Ortsvereins Eversberg zur Erhöhung des Rückstrahlvermögens der Erde beschlossen. Leider gab es seitdem keinen Bundesparteitag mehr, so dass ich erst Ende dieser Woche Gelegenheit habe zu diesem Antrag auf dem SPD-Bundesparteitag zu reden.

Die in unserem Antrag beschriebenen Maßnahmen greifen auch dann, wenn es mit der erforderlichen CO2-Reduktion nicht klappt.

 

In allen Fällen gilt es, nicht nur mit den Leugnern des Klimawandels zu reden, sondern vor allem auch mit jenen Ländern die vom Klimawandel profitieren.

 

Kommen wir nun zur Industrie:

 

Die Digitalisierung der Industrie wird unter dem Schlagwort Industrie 4.0 zusammengefasst.

Viele haben die Ausmaße dieser Entwicklung zu spät erkannt oder weigern sich noch immer

daran zu glauben.

 

Ganz schwierig wird es für jene die zwar die Vokabel nutzen aber keine wirksamen Maßnahmen ergreifen. Die Zulieferer der Automobilindustrie, und dazu gehören viele Unternehmen hier im Hochsauerlandkreis, spüren schon jetzt, dass es ein „weiter so wie bisher“ nicht mehr geben kann.

Wir hier in Südwestfalen müssen aus unserer vorhandenen Stärke heraus neue Geschäftsfelder aufbauen, in denen wir so gut und so wirtschaftlich sind, dass wir auf dem Weltmarkt konkurrieren können. Viele klassische Beschäftigungen werden abnehmen und neue werden geschaffen. Meist werden aber – wie wir das in den letzten Monaten bei großen Konzernen sehen konnten – mehr Stellen abgeschafft als neue entstehen. Wir müssen uns die Frage stellen, ob wir die Fachkräfte für diese neu geschaffenen Stellen fachgerecht ausgebildet haben.

 

Das IOT (Internet der Dinge) schafft unzählige Möglichkeiten, wie mit Startkosten von wenigen Euros eine Vielzahl von Anwendungen im Hard- und Softwarebereich geschaffen und vermarktet werden können. Wir müssten nur die Menschen haben, die mit Begeisterung unseren Jugendlichen und jungen Erwachsenen zeigen wie einfach das geht und wie viele interessante und auch gewinnversprechende Projekte sich da verwirklichen lassen.

 

Im Softwarebereich agieren gerade einmal 6 deutsche Firmen unter den  besten 100 weltweit.

Da ist es nicht verwunderlich, dass gerade die Amerikaner bei der Ankündigung unserer Kanzlerin,

dass wir Deutschen im Bereich der künstlichen Intelligenz bald führend sein werden, nur mit einem Lächeln reagiert haben; die Amerikaner sind unter den Top 100 mit 67 Unternehmen vertreten.

 

Auch hier gilt wie in vielen Bereichen:

Wir werden die Probleme und Herausforderungen von heute und morgen

nicht mit den Vorgehensweisen von gestern und vorgestern lösen.

 

Es gibt viele andere Themen die wir hier im Hochsauerlandkreis anpacken müssen.

Ich möchte noch einige in Kurzform ansprechen.

Reden wir über den demografischen Wandel:

Wie bekannt ist, steigt durch die höhere Lebenserwartung der Bedarf an Pflegekräften und Plätzen stetig.

Wir müssen uns für den Erhalt wohnortnaher Krankenhäuser einsetzen und hier die Privatisierungs-tendenz der letzten Jahrzehnte wieder umkehren. Gerade der Anfang November vom St. Franziskus-Hospital Winterberg gestellte Insolvenzantrag zeigt deutlich die Notwendigkeit des Umdenkens.

 

Wir brauchen mehr Plätze für die Kurzzeitpflege um selbstpflegende Familienangehörige entlasten

zu können.

Betrachtet man die steigenden Kosten für die Unterbringung in Pflegeeinrichtungen, so sieht

man dann, dass diese Kosten häufig auch aus den kommunalen Kassen erbracht werden müssen,

weil die Einkünfte der Pflegebedürftigen kaum ausreichen.

Hört man die Klagen der in den Einrichtungen lebenden Menschen über die Verhältnisse dort,

dann ist die Notwendigkeit einer Rekommunalisierung derartiger Einrichtungen offensichtlich.

Damit könnten dann auch die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung des pflegenden Personals verbessert werden.

 

Um die ärztliche Versorgung in unserer ländlichen Region sicherzustellen müssen wir auch neue Wege gehen. Telemedizin oder eine fahrende Praxis in einem Bus muss genauso selbstverständlich werden wie das per Foto oder digital übermittelte Rezept, das zur Anlieferung der Arzneimittel

an der Haustür führt.

 

Nahverkehr

Im Zuge der Überlegungen zur Einsparung von CO2  wird auch immer wieder die Verbesserung

des ÖPNV thematisiert. Eine Verlagerung des Personenverkehrs von der Straße auf  Bahn und Bus verspricht hohe Einsparungen von CO2.

Auch die Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Bahn birgt entsprechendes Potential.

Bei der Oberen Ruhrtalbahn haben wir erreicht, dass diese Strecke zumindest bis Olsberg weiterhin zweigleisig betrieben wird und auch die Tunnel bis dort zweigleisig saniert werden.

Bei der Röhrtalbahn zwischen Neheim und Sundern hat sich die SPD-Fraktion im Kreistag frühzeitig und erfolgreich gegen das Ansinnen der CDU behauptet, alle weiteren Planungen und Untersuchungen einzustellen. Hier sind wir jetzt auf einem guten Weg, die Finanzmittel zur detaillierten Planung einer Reaktivierung sind freigegeben.

Bei der Almetalbahn müssen noch einige Dinge geklärt werden – aber auch da bleiben wir dran.

Für die Azubis müssen die Kosten für das am 01.08.2019 eingeführte Azubi-Ticket noch weiter gesenkt oder ganz z.B. durch ein Bündnis von Kreis, Kommunen und  Betrieben übernommen zu werden. Eine entsprechende Anregung habe ich in der Kreistagssitzung vom 05.07.19 eingebracht: In der Sitzung wurde beschlossen das die Kosten für das Ticket für Auszubildende des Hochsauerlandkreises  durch den Kreis übernommen werden.

 

Ich habe gleich nachgehakt und beantragt die vollständige Kostenübernahme dieses Tickets für alle Auszubildenden im Hochsauerlandkreises durchzusetzen..

 

Ein weiterer Baustein für ein attraktiver ÖPnV ist  das jetzt  viel diskutierte 365 €-Jahresticket. Deshalb ist es mein Anspruch  die Einführung dieses Ticket kreisweit durchzusetzen für einen benutzerfreundlichen  ÖPNV.

Doch ganz so einfach wie es scheint ist es nicht. Die Stadt Pfaffenhofen, von der Einwohnerzahl vergleichbar mit Meschede, liegt in Bayern zwischen München und Ingolstadt. Hier verkehren

die Stadtbusse seit dem 10. Dezember 2018 im 30-Minuten-Takt und sogar kostenlos.

Nur:  die Busse fahren größtenteils mit nur sehr wenigen Fahrgästen.

 

Für den Hochsauerlandkreis bedarf es daher eines intelligenten Web-basierten Systems,

auf dem vorgesehene Busse bis zu einer Stunde vorher verbindlich gebucht werden können.

Der Fahrer weiß dann, ob er einen Minibus oder einen großen Bus einsetzen muss oder ggf. gar nicht fahren wird, wenn die Mindestanzahl der Gäste nicht erreicht wird.  Auf diese Weise könnten wir auch einen effizienten Spät- und Nachtverkehr für das Sauerland einrichten.

 

Ehrenamt:

Viele Dinge im gesellschaftlichen Leben funktionieren nur leider nur noch weil sich Menschen ehrenamtlich engagieren. Wir müssen diesem Umstand endlich Rechnung tragen und hier viel mehr an Unterstützung anbieten. Es kann nicht sein das ehrenamtliche Vorstände mit ihrem Privatvermögen zur Haftung für ihren Verein herangezogen werden. Wir müssen hier auf Ebene des Kreises alle Ehrenamtlichen Tätigkeiten durch einen von den Kommunen getragen Versicherung absichern. Nur so werden die Vereine weiter Menschen finden die in den Vorständen mitarbeiten.

Ehrenamtlicher Tätigkeit muss darüber hinaus mit mehr Wertschätzung entgegengebracht werden.

Eine kreisweite Ehrenamtskarte die zu Vergünstigungen bei allen kommunalen Einrichtungen führt ist hier ein erster Schritt.

 

Lasst mich zuletzt zu meinem Lieblingsthema kommen: der Entbürokratisierung:

 

Nicht nur in unseren Verwaltungen, auch in vielen Unternehmen im Gesundheitswesen und

in der Landwirtschaft selbst in den Vereinen steigt der Bürokratische Aufwand stetig.

Auch das trägt erheblich zum beklagten Mangel an Fachkräften bei.

 

Unsere Mentalität verleitet uns dazu,  dass bei uns alles ganz genau geregelt wird.

Man will für Beschwerden oder gar Klagen auf der sicheren Seite zu sein.

 

Viele dieser bürokratischen Vorschriften mögen für sich allein gesehen sinnvoll erscheinen.

In der Gesamtheit wirken sie jedoch eher erdrückend und hinderlich.

Zum Bruttosozialprodukt unseres Landes tragen sie eher wenig bei. Ganz in Gegenteil zehren sie davon einiges auf.

 

Da hilft es nichts über den Bäckermeister zu schmunzeln der im Kreishaus vorträgt,

dass, wenn er die Mäuse in seinen Filialen bekämpfen will, er einen Lehrgang als Kammerjäger mit Wiederholungsprüfung absolvieren muss.

Da hilft es auch nicht zu wissen, dass wenn z.B. eine europäische Vorschrift mit 25 Seiten in Brüssel verabschiedet wird, diese angereichert mit Verwaltungs- und Ausführungsvorschriften auf weit über 200 Seiten anwächst bis sie in unserer Kommune ankommt, und dann mit den Vermerk kommentiert wird: „das alles kommt aus Brüssel“.

 

Um hier, gerade angesichts des zu erwartenden Mangels an neuen Mitarbeiten für die Behörden, Verwaltungen und Betriebe voranzukommen, bedarf es des wirklichen Wollens von der Gemeinde-verwaltung bis zum Europaparlament.

Vorschriften müssen vereinfacht und für jeden Bürger verständlicher werden oder bestenfalls ganz wegfallen.

 

Wir haben als SPD-Fraktion im Kreistag vor einigen Jahren die Gesamtkonsolidierung aller Aufgaben des HSK gefordert und für diesen Antrag sogar einen Mehrheit bekommen. Dann durften wir uns über fast 3 Jahre anhören warum dieses oder jenes nicht geht und dass man mit der Aufgabenkritik ja letztlich auch alles erledigen würde.

 

Kurz und gut: es ist so gut wie nichts passiert.

 

In Estland z.B. gibt es keinen Steuerberater, weil das System so einfach ist. Wir könnten viel von Estland lernen, können dies jedoch nicht alles 1 zu 1 umsetzen, da unser Bedürfnis am Datenschutz weitaus höher ausgeprägt ist als das der Esten.

 

 

Die Wähler hier im Hochsauerlandkreis entscheiden bei der nächsten Kreistagswahl

nicht mehr nur nach den altbekannten Kriterien und Mustern zwischen Parteien und Gruppierungen. Sie entscheiden auch darüber, ob alles weiter wie bisher läuft oder ob wir die Chancen und Heraus-forderungen unserer Zeit annehmen.

 

Ihr seht, ich habe mir viel vorgenommen und das wird bei den dicken Brettern die da zu bohren sind mehr als nur eine Legislaturperiode dauern. Aber ich möchte zumindest damit anfangen.

 

Besonders wichtig ist mir dabei das Verhältnis zu den Bürgerinnen und Bürgern, die unsere Räte,

die Bürgermeister, den Kreistag und den Landrat gewählt haben und letztlich ja auch finanzieren.

Sie sollen den Hochsauerlandkreis als Dienstleister am Bürger und nicht als Behörde begreifen:

mit einem nahbaren Landrat an der Spitze.

 

 

 

 

 

Ich danke Euch für eure Aufmerksamkeit!